SIS Formulierungshilfen: So formulieren Sie die SIS® in der ambulanten Pflege
Kurz, konkret und aus der Sicht der pflegebedürftigen Person: Mit den Leitfragen der sechs Themenfelder und unseren Beispielsätzen gelingt die Strukturierte Informationssammlung – vom Feld B über die Matrix bis zur Evaluation.
Die SIS auf einen Blick
Die Strukturierte Informationssammlung (SIS®) ist der Einstieg in den Pflegeprozess nach dem Strukturmodell. Sie besteht aus vier Feldern, die aufeinander aufbauen:
7 Grundregeln für gute Formulierungen
- Die Person zuerst: Feld B wörtlich festhalten, ohne Interpretation – in ihren eigenen Worten.
- Knapp und konkret: Was kann die Person selbst, wobei braucht sie Unterstützung, was wünscht sie?
- Fähigkeiten vor Defiziten: Ressourcen und Gewohnheiten gehören genauso hinein wie Einschränkungen.
- Beschreiben statt bewerten: „lehnt das Duschen am Morgen ab, weil …“ statt „verweigert“.
- Verständigung nur, wo nötig: Abweichende Sichtweisen und Absprachen dort festhalten, wo sie relevant sind – nicht schematisch in jedem Themenfeld.
- Keine Diagnoselisten: Diagnosen und Medikamente stehen im Stammblatt; in der SIS steht, was daraus für die Pflege folgt.
- Keine Doppelungen: Was im Maßnahmenplan steht, muss nicht noch einmal in die SIS.
Statt … besser …
| Statt | Besser |
|---|---|
| Patientin ist inkontinent. | Bemerkt Harndrang meist rechtzeitig, schafft den Weg zur Toilette nachts nicht immer. Nutzt nachts Einlagen, tagsüber möchte sie keine. |
| Verweigert die Körperpflege. | Lehnt das Duschen am Morgen ab („Ich dusche abends, wie immer“). Ganzkörperpflege abends nach Absprache. |
| Sturzgefahr. | Geht mit Rollator sicher in der Wohnung; unsicher beim Aufstehen aus dem niedrigen Sessel, hält sich dabei an der Kommode fest. |
| Desorientiert. | Erkennt Tochter und Pflegekräfte, weiß die Tageszeit nicht immer; der Kalender in der Küche hilft ihr bei der Orientierung. |
| Isst zu wenig. | Isst mittags eine halbe Portion, mag Suppen und Süßes; trinkt etwa drei Tassen Tee am Tag, Wasser „schmeckt nicht“. |
Feld B: die Perspektive der pflegebedürftigen Person
Das Gespräch beginnt bewusst mit der Sicht der Person. Die Impulsfragen lauten: „Was bewegt Sie im Augenblick? Was brauchen Sie? Was können wir für Sie tun?“ Die Antworten werden möglichst wortgetreu notiert.
Kann sich die Person nicht äußern, halten Sie die Aussagen von An- oder Zugehörigen fest – und vermerken, von wem sie stammen.
Die sechs Themenfelder: Leitfragen und Beispiele
Die ersten fünf Themenfelder sind in allen Varianten der SIS gleich und orientieren sich am Begutachtungsinstrument. Themenfeld 6 heißt in der ambulanten Pflege „Haushaltsführung“. Die Leitfragen stammen aus den Ein-STEP-Unterlagen, die Beispiele sind von uns formuliert.
TF 1 Kognitive und kommunikative Fähigkeiten
TF 2 Mobilität und Beweglichkeit
TF 3 Krankheitsbezogene Anforderungen und Belastungen
TF 4 Selbstversorgung
TF 5 Leben in sozialen Beziehungen
TF 6 Haushaltsführung (ambulant)
Die Matrix (Feld C2) richtig nutzen
In der Matrix bewertet die Pflegefachperson, ob in den Themenfeldern ein Risiko oder Phänomen für Dekubitus, Sturz, Inkontinenz, Schmerz und Ernährung vorliegt (ja/nein) und ob eine weitere Einschätzung notwendig ist. In der ambulanten Pflege kommt je Handlungsfeld die Spalte „Beratung“ hinzu. Für weitere Themen gibt es die Spalte „Sonstiges“ – verändern oder erweitern darf man die Matrix nicht.
- Immer im Zusammenhang mit den Themenfeldern bewerten – nicht Risiko für Risiko isoliert ankreuzen.
- „Weitere Einschätzung notwendig“ heißt: Die Lage ist noch unklar – etwa ein Beobachtungszeitraum, Fachexpertise oder ein standardisiertes Instrument. Keine Routine-Assessments für alle.
- Die Bewertung nimmt nur eine Pflegefachperson vor.
Evaluation: anlassbezogen statt nach Kalender
Das Strukturmodell sieht keine starren Evaluationsfristen vor. Evaluiert wird, wenn es einen Anlass gibt – und zwar auf zwei Wegen:
- Kleiner Evaluationskreis (die Regel): Aus Bericht und Beobachtung ergibt sich, dass einzelne Maßnahmen anzupassen sind. Der Maßnahmenplan wird geändert – die SIS muss dafür nicht jedes Mal neu geschrieben werden.
- Großer Evaluationskreis: Bei grundlegenden Veränderungen – etwa nach einem Krankenhausaufenthalt mit neuem Hilfebedarf – folgt ein neues Gespräch entlang der ganzen SIS und ein neuer Maßnahmenplan; ambulant oft auch eine neue Leistungsvereinbarung.
Typische Fehler – und wie Sie sie vermeiden
- Feld B leer gelassen oder in Fachsprache umformuliert.
- Nur Defizite beschrieben, keine Fähigkeiten, Gewohnheiten und Wünsche.
- Diagnosen und Medikamentenlisten aus dem Arztbrief kopiert.
- Matrix angekreuzt, ohne dass die Themenfelder dazu etwas sagen.
- SIS und Maßnahmenplan widersprechen sich – genau das fällt bei der MD-Prüfung im Fachgespräch auf.
Für die MD-Prüfung wichtig
Nach den Qualitätsprüfungs-Richtlinien ambulant gilt das Fachgespräch als gleichrangige Informationsquelle – aber eine fehlende individuelle Maßnahmenplanung wird immer als Defizit gewertet. Eine gute SIS mit passendem Maßnahmenplan ist deshalb die beste Vorbereitung. Mehr zur MD-Prüfung
Häufige Fragen
Grundlage: Projektbüro Ein-STEP, Informations- und Schulungsunterlagen zum Strukturmodell, Version 3.0 (Mai 2025), ein-step.de – daraus stammen Aufbau, Impulsfragen und Leitfragen. Die Beispielsätze sind frei erfundene Beispiele von MediStein. SIS® ist eine eingetragene Marke. Diese Übersicht ersetzt keine Schulung zum Strukturmodell.
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